Das Dirndl – So findet Frau das passende

“Ob Doktor, Bauer oder Scheich – Dirndl machen Männer weich”, heißt es in der Textzeile eines Schlagers der Volksliedsängerin Antonia. Und sie hat recht: Ob am Dekolleté, in der Taille oder um die Fußfesseln: Das Dirndl macht immer und überall eine gute Figur. Während auf den internationalen Laufstegen die Betonung der Weiblichkeit im Vormarsch ist, erobert das Dirndl nicht nur zum Oktoberfest in vielseitigen Variationen und Interpretationen die Feste und Wiesen von Hamburg bis München. Denn es verhüllt unliebsame Konturen, macht aus jeder Mitte eine Taille, zaubert aus B-Cups einen imposanten Balkon und bringt in Form zarter Dirndlschuhe Männerherzen zum Hüpfen. Dabei war das ursprünglich gar nicht die Intention des Kleides.

DAS DIRNDL ALS URSPRUNGSFORM

Einfache Baumwoll- oder Leinenstoffe ohne Schmuck und Applikationen machten dass Dirndl im 19. Jahrhundert zum praktischen Arbeitsgewand junger Mägde (den „Diernern), die auf den Höfen in Bayern oder Österreich arbeiteten. Was heute so schmuck als Dirndlkleid daher kommt, war ehemals nur das Leibgewand, das man über dem Hemd schürzte. Doch auch das damalige Arbeitsgewand sprach schon seine eigene Sprache. Männer taten gut daran, den Sitz der Schleife an der Schürze zu beachten. Zeigte sich die Schleife links am Kleid, war die Dirndlträgerin noch zu haben. Saß sie hingegen auf der rechten Seite, war die Dame vergeben. Witwen schnürten ihre Schürze hinten mit der Schleife, Jungfrauen banden sie vorne. Bis zum heutigen Tag lohnt es sich, auf dem Weg über die Dirndlschuhe bis zur Bluse vor allem die Taille mit der Schürzenschleife im Blick zu haben.

DER KLASSIKER ZWISCHEN LAUFSTEG UND ROTEM TEPPICH, MINI UND GLITZER

War das Dirndl lange Zeit als Trachtenmode verpönt, geht Frau heute zum Oktoberfest auf keinen Fall ohne den Klassiker – häufig sehr kreativ variiert. Paris Hilton trug es in der goldenen Variante, Sonja Kraus fast schon betont klassisch weiß-blau. Grundsätzlich gilt, dass heute auch beim Dirndl der Fantasie keine Grenzen gesetzt sind: die Mini-Variante wird ebenso getragen wie die klassische Länge, orientalische Stickereien oder ein Totenkopf als Applikation gelten nicht als Stilbruch, und auch die sexy roten High-Heels sind als Dirndlschuhe zugelassen. Nur die Kombination schwarzes Dirndlkleid mit weißer Bluse sollte vermieden werden; sie gilt als Berufsbekleidung der Bedienung. Yves Saint-Laurent adelte das Dirndl in den späten 70ern durch die Aufnahme in seine Haute-Couture Kollektion, viele weitere Designer sind seinem Beispiel gefolgt. Und so ist das Dirndl, dieses klassische Trio aus Mieder, Kleid und Schürze, heute nicht weniger als ein Klassiker, edel und tragbar, und je nach Lust und Laune der Trägerin elegant oder extrem cool.