Standbein statt Stolperstein: die eigene Boutique
Wer sich mit einer Modeboutique selbständig machen möchte, der sieht sich, neben den üblichen wirtschaftlichen und finanziellen Faktoren, mit hauptsächlich zweierlei Herausforderungen konfrontiert: dem richtigen “Was” und dem richtigen “Wie”! Denn das beste Sortiment hilft nichts wenn das Ambiente der Ladenfläche einfach nicht stimmen will, und umgekehrt nützt einem die prunkvollste Ausstattung nichts bei fehl-gegriffener Produktauswahl. Im schlimmsten Fall floppt beides, wenn sich keine Symbiose, keine Harmonie zwischen beiden Elementen ergeben möchte.
Damit möglichst keines von beidem eintritt, sondern die Boutique ein voller Erfolg wird, ist es wichtig bereits im Vorfeld eine klare Vorstellung von den späteren Produkten, Marken und auch Trends zu haben, um die Ladeneinrichtung perfekt auf Kunde und Produkt abstimmen zu können.
Ziemlich selbsterklärend sind da Tatsachen wie die, dass Unmengen an Kleiderständern wenig Nutzen bringen, wenn man sich ausschließlich auf den Verkauf von Jeans spezialisieren will. Und im Umkehrschluss macht ein Ponyhof in Ihrem Laden wenig Sinn. Punkt. Nicht nur dann, wenn man eigentlich nur Kleidung für Senioren statt für Kinder anbietet.
Kurzum:
das Ambiente soll Kunden-orientiert gewählt, aber trotzdem zweckmäßig sein. Doch alles beginnt bei der Kleidung, und die will nicht nur ausgewählt, sondern auch verkauft werden – Zugänglichkeit ist somit eines der wichtigsten Aspekte beim Planen der Einrichtung überhaupt.
“Wir wollen eine Boutique eröffnen, keinen Weihnachtsmarkt!”
Zu enge Passagen, zu hohe Regale, möglichst dicht an dicht um möglichst viele Produkte auf kleiner Fläche anzubieten – das sind mitunter die häufigsten Fehler die gerade am Anfang gerne gemacht werden, da man natürlich glaubt dass eine breite Auswahl auch höhere Gewinne erzielen müsste. Doch kein Kunde fühlt sich wohl, wenn er Rücken an Rücken mit wild-fremden Personen die Kleiderständer durchwühlen, oder erst eine Verkäuferin nach einer Leiter fragen muss, um ein schönes Stück zu finden. Ausreichend Platz und Bewegungsfreiheit sind somit ein unerlässliches Muss, ohne dabei verschwenderisch mit der wertvollen Ressource Grundfläche umzugehen.
“Kleider machen Leute, und Gelb macht depressiv!”
Sowohl bei der Auswahl des Interieurs, als auch bei Bodenbelag und Wandverkleidung, kann es nicht schaden ein gewisses Grundverständnis der Farblehre mitzubringen, denn nicht alle Farben sind gleichermaßen gut geeignet damit sich der Kunde wohl fühlt und zeitgleich die eigenen Produkte gut in Szene gesetzt werden und wirken. Auf ein Übermaß an Rot- und Blautönen sollte ebenso verzichtet werden wie allzu viele und mächtige dunkle Farben. Neon ist Werbetafeln und Lichtreklame vorbehalten, eignet sich nur bei entsprechend Themen-orientierten Stores, und sollte dezent bis gar nicht, aber stets nach Schwerpunkt eingesetzt werden. Katastrophal sind Gelb-Töne, denn sie gelten, neben Rot als “Aggressiv-Macher”, als eine der heikelsten Farben in der Psychologie und können depressiv veranlagte Menschen in erhebliche Stimmungsschwankungen versetzen. Beides ist nicht nur für den Kunden per se unangenehm, sondern auch nicht verkaufsfördernd.
“Hier spielt die Musik!”
Eye Catcher in Form von Schaufensterpuppen, die Ihre Kleidung anhand von nachgestellten Bewegungen und Szenen standbildlich (re-)präsentieren sind nicht nur für Schaufenster geeignet, sondern auch für die Ladenfläche selbst. Gut platziert lenken sie den Besucher in spezifische Bereiche des Ladens und vermitteln dabei ein assoziatives Tragegefühl. Gleiches gilt für professionelle großformatige Poster und Plakate, wie sie sich bei den jeweiligen Herstellern der Klamotten, die man natürlich auch anbietet, beziehen lassen. Um weitestgehend auf Wandfarbe verzichten zu können, ohne dabei kahle und unansehnliche Wände zur Schau stellen zu müssen, eigenen sich Wandsticker sehr gut. Ein gut platzierter und gut durchdachter Wandsticker zieht Blicke auf sich, und damit Kunden, muss allerdings wohl durchdacht sein und darf nicht zu prägnant auftreten.
Apropos Musik: sanfte Klänge fördern ein ruhiges und ausgelassenes Befinden und Gleichgewicht der Kunden, laut, aufdringlich oder gar alles andere übertönend schreckt eher ab. Auf Radio als Geräuschkulisse sollte verzichtet werden, da permanente Unterbrechungen von Rhythmus durch Sprecher keine durchgängige Einheit bilden. Zudem können Nachrichten und Co. vom Gedanken an den Einkauf ablenken, und den Fokus auf das Weltgeschehen legen, welches wir eigentlich versuchen auszusperren.
“die Basics”
Natürlich gibt es Dinge die keinesfalls fehlen dürfen, in welcher Ausführung auch immer. Allen voran natürlich Kleiderständer und Kleiderstangen, gut sortiert und nicht zu überladen. Darüber hinaus müssen ausreichend Umkleidekabinen vorhanden sein, wer Wert auf Service legt stellt zudemm eine Arbeitskraft ab für die Entgegennahme anprobierter Teile für a) den Kauf des Kunden als vor-reserviert und b) die Kleiderstange bei Nichtgefallen, denn kein Kunde räumt gerne seine Klamotten selbst dort hin wo er sie her hat, sofern man sich überhaupt noch daran erinnert. Zudem verhindert das ein etwaiges Chaos im System, da viele ihre doch nicht passenden Klamotten gerne ablegen wo gerade Platz ist. Die Kasse sollte gut sichtbar positioniert werden, aber nicht direkt am Ausgang – denn das vermittelt dem Kunden nach Bezahlung das Gefühl, dass er hier nun “nichts mehr verloren” hätte. Auch zu weit hinten ist suboptimal, zentral, aber nicht ganz mittig, wäre ideal – präsent, aber nicht aufdringlich.
Und zu guter Letzt:
der Bodenbelag darf nicht allzu glatt sein, nicht spiegeln und keinesfalls “clean” wirken. Glatte Böden sind besonders an regnerischen und verschneiten Tagen Stolperfallen und Spiegelungen werden als irritierend wahr genommen, können bei hellem Kunstlicht sogar Kopfschmerzen verursachen.
